Halsschmuck


Halsschmuck
Hạls|schmuck 〈m. 1; unz.〉 um den Hals zu tragender Schmuck, bes. in Form von Ketten

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Hạls|schmuck, der:
als Schmuck um den Hals getragene Kette od. Reif.

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Halsschmuck
 
ist bereits aus der Altsteinzeit, besonders häufig aber aus der Jungsteinzeit belegt. Die (manchmal schon mehrgliedrigen) Halsketten bestehen aus Muscheln, Schnecken, Tierzähnen, Fischwirbeln, Perlen oder Anhängern aus Knochen, Stein, Bernstein u. a. Mit dem Aufkommen von Metall erschienen Spiralröllchen, Plättchen, Perlen, Ringe und Scheiben aus Kupfer und Bronze, später auch aus Fayence und Glas, während Mineralien und organische Substanzen (außer Bernstein und Gagat) immer weniger zu Halsschmuck verarbeitet wurden. In der Bronze- und Eisenzeit spielten verzierte und unverzierte Halsringe verschiedenartiger Form, Profilierung und Größe eine Rolle, die gewöhnlich aus Bronze, seltener aus Eisen und bisweilen aus Gold waren. In manchen Kulturgruppen waren auch regelrechte Halsringsätze beliebt (Halskragen).
 
Griechische Halsketten des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr. sind aus Perlen; auch wie Früchte geformte oder scheibenförmige Anhänger mit aufgesetzten Rosetten wurden getragen. Hellenistischer Halsschmuck hat häufig einen bortenartigen Teil mit einer Fülle von Anhängern, daneben gibt es Halsketten, deren Enden in Tierköpfe auslaufen. Die Wertschätzung der Kette wie auch eines aus miteinander verbundenen Steinen bestehenden Halsschmuck setzte sich in Rom fort. Die Ketten waren häufig mit Anhängern versehen. Während der Halsschmuck im Mittelalter sonst zurücktrat, erlangte er große Bedeutung mit dem Aufkommen des Dekolletés in der burgundischen Kleidung des 15. Jahrhunderts. Bei den Männern wurden im Spätmittelalter die als Kette getragenen Embleme der Ordens- und Turniergesellschaften wichtiger Bestandteil des Halsschmucks. Ehren- und Gnadenketten wurden verbreitete Auszeichnungen. Ketten wurden durchweg erst im 19. Jahrhundert Insignien bestimmter Ämter, des Bürgermeisters oder der Rektoren der Universitäten (Amtsketten). In der italienischen Renaissance umschloss die Kette häufig eng den Hals; sie setzte sich aus gereihten Perlen zusammen. Üppiger, massiver Halsschmuck ist charakteristisch für das besonders ausgeprägte Schmuckbedürfnis des 16. Jahrhunderts. Der Halsschmuck der spanischen Tracht bestand aus langen Schnüren mit gereihten Perlen und auf den Schultern aufliegenden Ketten; außerdem gab es den kurzen, mit einem Anhänger ausgestatteten Halsschmuck. Eine geringere Rolle kam dem Halsschmuck im 18. Jahrhundert zu; er verschwand aus der Männertracht, die Frauen trugen vielfach ein einfaches schwarzes Samtband mit einem Anhänger. Zu neuem Ansehen gelangte der Halsschmuck um 1800; er war teils eine bis zur Taille herabreichende Kette, teils lag er enger um den Hals. Besonders kostbarer, meist aus mehreren Reihen Perlen oder Edelsteinen bestehender Halsschmuck wird seit dem frühen 19. Jahrhundert als Collier bezeichnet. Materialien wie die Koralle gelangten hier zu neuem Ansehen. Um die Wende zum 20. Jahrhundert konzentrierte sich die Arbeit der Goldschmiede besonders auf den Anhänger des Halsschmucks.
 
Bei den so genannten Naturvölkern tragen Männer und Frauen als traditionellen Halsschmuck aneinander gereihte Schneckenhäuser, Muscheln, Zähne, Knochen, Früchte, Fruchtschalen, Glasperlen (Australien, Ozeanien, Amerika), Eisenperlen (Afrika) oder auch feste Ringe aus Eisen, Bronze und Messing (Afrika, Hinterindien, Indonesien).
 
 
J. Evans: A history of jewellery. 1100-1870 (London 1953);
 S. Oved: The book of necklaces (ebd. 1953);
 E. Steingräber: Alter Schmuck (1956);
 R. A. Higgins: Greek and Roman jewellery (Berkeley, Calif., 21981);
 
Glanzstücke. Modeschmuck vom Jugendstil bis zur Gegenwart, hg. v. D. Farenti Cera, Ausst.-Kat. Museum Bellerive, Zürich u. a. (a. d. Ital., 1991);
 
Kleidung u. Schmuck im alten Ägypten, bearb. v. E. Zoffili u. a. (a. d. Ital., 1992);
 G. Buxbaum u. C. Weber: Mode u. Schmuck 1920-1970 (1996).

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Hạls|schmuck, der: vgl. ↑Halskette.

Universal-Lexikon. 2012.

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